Sehnsucht - von Knef bis Alexandra

Gabriele Banko (Alt), Lynda Cortis (Cello) und Johannes Grundhoff (Piano) präsentieren „Lieder für eine abgrundtiefe Stimme“

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Im vollbesuchten Kaisersaal begrüßte Reinhart Schulz von der Kulturgemeinschaft Vienenburg diesmal die sympathische Chansonnette Gabriele Banko aus Bremen, ihren langjährigen Klavierpartner Johannes Grundhoff und die einfühlsame Cellistin Lynda Cortis, beide vom Bremer Kaffeehausorchester, zum Konzert.

Mit Liedern für eine „abgrundtiefe Stimme“ von Hildegard Knef bis Alexandra faszinierte und erfreute das Ensemble die gut 85 Zuhörer über zwei vergnügte Stunden.

„Eins und eins das macht…“ - schließen Sie die Augen, lehnen sich entspannt zurück und hören der Ikone Knef zu. Nein, es ist wirklich Gabriele Banko, die mit unverkennbarem Akzent in tiefsten Lagen schwelgt und dabei auch die Stimmungslage authentisch trifft. Ebenso bei den tief ins Gemüt gehenden Liedern der immer noch so geliebten Alexandra mit Sehnsüchten aus dem großen, geheimnisverhangenen Russland. Banko zieht ihre Zuhörer spontan in ihren Bann – und löst sie wieder. Da kommen dann gern mal kleine Humoresken, wie die „Fischer von Langeoog“ mit spritzigem Cello-Pizzicato, der „Hackfleisch-Stroganoff“, „Waldemar – Ottokar“ oder der unterbrochene Walzer, den Grundhoff und Cortis charmant zelebrieren. Auch Gedichte von Robert Gernhardt amüsieren angenehm.

Dalidas sehnsuchtsvoller Verzicht „Er war gerade 18 Jahr“ passte so recht in ihr Herz – ach ja, ich bin ja dreimal plus zwei Jahre älter, zwar „gar nicht schlecht“ doch „ich lass ihn geh'n“, gestand sie schmachtend – und dachte vielleicht an den Pastor aus Quakenbrück, der einst ihre Bassstimme so lobte, dass sie beim Bundeswettbewerb in Berlin einen 2. Platz ersang.

Gut so, denn so leben Lieder wie „Mein Freund der Baum“, „Für mich soll's rote Rosen regnen“, oder „Kann denn Liebe Sünde sein“ romantisch verzaubernd wieder auf. Sie variiert auch mal gekonnt den Text, denn „Liebe kann keine Sünde sein“ und erinnert ohne zu imitieren an die entwaffnende Ehrlichkeit und Wärme der Knef, die liebesverklärte Weltflucht Alexandras, Dalidas seidenen Schmalz, das Pathos der Leander oder das Mannstolle einer Margot Werner.

Grundhoff und Cortis sind die idealen Partner, die einfühlend mitgestalten, auch mal mitsingen und instrumental Freude machen.

Der dankbar-frohe und lange Beifall brachte Dalidas Welthit „Am Tag als der Regen kam“ – bei herrlichstem Sonnenschein in Vienenburg.

nach Joachim Dürich, in: "Goslarsche Zeitung" , 03. Mai 2017