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Sonntagnachmittag kam Thomas Müller in den historischen Kaisersaal. Live und in Farbe! Was für eine unsägliche Freude… Wie? War es etwa nicht der Halbgott der Fußballwelt: Thomas Müller, der legendäre Bayern-Stürmer und Fußball-Weltmeister? Nein. Tatsächlich nicht. Es war Thomas Müller aus Magdeburg, Ingenieur, Texter und Kabarettist, der als Programmpunkt im März den Gästen der Kulturgemeinschaft einen vergnüglichen Abend bescherte.

Doch habe er mit den ständigen Verwechslungen seiner zahllosen Namensvettern eine gewisse Last zu tragen, klagte der Magdeburger dem Vienenburger Publikum sein Leid. 320.000 Einträge fänden sich bundesweit im Telefonbuch unter dem Namen Müller. Trotzdem habe er es geschafft, sich von der Müller-Masse abzusetzen. Lieschen Müller – oftmals auch für Witze missbraucht – sei wohl die bekannteste Frau der Bundesrepublik – mal abgesehen von Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Politisch seinen aber längere Namen sicherlich von Vorteil: Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Heidemarie Wieczorek-Zeul oder Annegret Kramp-Karrenbauer. „Dann bleibt man länger im Gespräch!“ Schlussfolgerte der Kabarettist, der auf eine 40-jährige Bühnenerfahrung blickt. Er habe auch die klassische Künstler-Ausbildung in der DDR durchlebt: Kinderkabarett, NVA, Erwachsenen-Kabarett und dann Solokünstler. „Wir durften alles sagen, mussten es aber oft anders ausdrücken“, erinnerte er an etliche bekannte Lieder aus der DDR, wo der Zuhörer „zwischen den Zeilen lesen musste“, um den gelegentlich merkwürdigen Text zu verstehen. Mit dem Puhdys-Hit „Geh geh zu ihr und lass deinen Drachen steigen“ griff Thomas Müller dann selber zur Gitarre.

Aber über die Show “Alles Müller“ blieb er nicht in der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik. Auf den Wegen der Haut Couture trieb es ihn bis nach Frankreich, wo er den (unlängst verstorbenen) Modeschöpfer Karl Lagerfeld in vielen seiner Eigenschaften imitierte. Der vage Vorwurf, die Fähigkeit einen Geschmack für Mode entwickeln zu können, sei mit dem 18.Lebensjahr abgeschlossen, machte nachdenklich. Wer von den, im Kaisersaal anwesenden Männern dürfe denn seine Bekleidung selber einkaufen gehen? Mal abgesehen von Unterhosen und Feinripp-Hemden? Schüchtern gaben sich da die Vienenburger Mannen – oder waren wirklich alle von der Einkaufspflicht befreit?

Anders, ein Smalltalk vom Vienenburger Wochenmarkt: „Ich hätte gerne drei schöne Äpfel für meinen Mann. Sind die mit Gift behandelt?“ – „Nein, das müssen Sie schon selber tun…!“ - Mit verflixten „als wie – als auch wie“- Wortspielen setzte er sein Programm vor und nach der Pause munter fort, in dem es auch zu weiteren lustigen Begegnungen mit dem Preußenkönig, Friedrich, dem Großen und Musiker-Legende Udo Lindenberg kam.

 

nach Andrea Leifeld: "Mode, Männer und 3 Äpfel vom Markt", in: "Goslarsche Zeitung", 30. März 2019 - Fotos: A. Leifeld