In minimalistischer Triobesetzung

„catfish row“ präsentieren George Gershwin ain eigenem Arragement im Kaisersaal

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Die Gruppe "catfish row" präsentierte Werke von George Gershwin in eigenem Arrangement

Erfreut begrüßte Gerhard Niessner, 1. Vorsitzender der Kulturgemeinschaft Vienenburg, über 50 Besucher im Kaisersaal zum Konzert mit „catfish row“. Das Berliner Trio mit Anett Levander (Gesang, Percussion), Christian Raake (Saxophon, Flöte) und Dirk Steglich (Bassklarinette) bereicherte diesen trüben Novembertag mit Gershwin Melodien in eigenem Arrangement. George und Ira Gershwin (Bruder und Texter) gehörten zu den erfolgreichsten Teams in den 20er und 30er Jahren am Broadway. Ihre Werke wurden von Stars wie Fred Astaire und seiner Schwester Adele, Gertrude Lawrence, Red Nichols, Ethel Merman und Ginger Rogers aufgeführt. Viele seiner Werke erlangten auch über Amerika hinaus große Popularität und werden von großen Symphonieorchestern, aber auch kleineren Combos immer wieder gern gespielt.

Seine prallen Orchester-Arrangements und satten Klavierakkorde reduziert catfish row gekonnt auf eine Stimme und zwei Holzbläser. In dieser minimalistischen Triobesetzung erklingt Gershwins Musik gleichsam im Taschenformat: zurückgeführt auf das Wesentliche, durchsichtig – und doch in ihrer ganzen Sinnlichkeit – versprechen die drei Musiker.

Nun, die Drei sind gestandene Berufsmusiker mit reicher Erfahrung und verstehen ihr Handwerk bestens. So gefallen die ästhetisch feinst geblasenen Klänge im tiefen Bassbereich angenehm, die kultivierte Spieltechnik auf der klanghellen Flöte, oder dem stimmungsbauenden Saxofon sind erlesene Genüsse. Annett Levanders wandelbare und klangschöne Sopranstimme belebt und fasziniert in ihrer Artikulation und vokalisen Klangbildung. In „Slap that bass“ begeisterte Steglich einleitend mit markigen Basslinien und gefiel immer wieder mit bekannten Riffs.

Lieder zum Thema Liebe, die Levander illuster anmoderierte, kamen sehnsüchtig, auch schmachtend, als ein Hauch der großen Ella Fitzgerald. Spritzig, bluesig und aufgeregt begeisterten die „Drei Präludien“ im konzertanten Stil.

Nach der Pause ging's in die Catfish Row, einem Straßenzug im Hafenviertel Charlestons, dem Schauplatz der Gershwin-Oper Porgy & Bess und den beliebten Melodien daraus. Besonders „Summertime“, das ja nun in sehr vielen Variationen von namhaften Interpreten gelebt wird, bestach hier zu tremulierenden Holzbläsern in sehnsuchtsvoller Stimme – überzeugend war auch das anschließende „Duett“ von Porgy (Puppe) mit Bess. Der lange Beifall brachte die groovige Cole Porter Zugabe „Love für sale“.

nach Joachim Dürich: "In minimalistischer Triobesetzung", in: "Goslarsche Zeitung" ,23. November 2016, S. 20