Rückblick

Konzertnachmittag mit romantischen Klängen

Das Kölner Minguet-Quartett gastiert mit einem Mendelssohn Bartholdy-Abend im Kaisersaal Vienenburg

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Zu einem klassisch-romantischen Konzertnachmittag begrüßte Gerhard Niessner von der Kulturgemeinschaft Vienenburg mehr als 50 Zuhörer im ausverkauften Kaisersaal. Das Minguet-Quartett aus Köln versprach einen romantischen Einblick in Mendelssohnsche Streicherwerke und begann mit einem Frühwerk in Es-Dur, das ohne Opuszahl leben muss.

Dafür begeisterten die Musiker in dieser noch wenig individuellen Komposition des erst 14-jährigen Felix mit großer Spielfreude und präsentierten das langsame Thema schweigend und schmeichelnd in weiten Bögen.

Doch schon bald treibt das Cello mit kräftigen Pizzicati energisch und regt die Violinen zu flotten Ausflügen an. So leben ernste und heitere Motive, gern auch von der verlockenden Viola lieblich ummalt, mal tiefsinnig im Adagio oder mit frohen Stakkati im heiteren Tanzstil eines Menuetts. Im fugierten Finale gefällt nun wiederum die gedankenfeine Abstimmung der wandernden Motive durch alle Instrumente.

Auch Mendelssohn gönnte sich und seinem Publikum mal etwas Scherzhaftes, wie es das folgende Capriccio zeigt. Wüsste man es nicht besser, so könnte man meinen, diese vier herausragenden Künstler hätten einen Streit, so erregt disputierten sie in diesem Werk: Kraftvolle Cello-Akzente wurden von den Violinen aufschwingend getoppt und übertönt. Da konnte die Viola gerade noch modulierend etwas glätten, bevor diese gewaltigen Tuttis doch noch spaßig endeten und viel Freude machten, Im anschließenden Streichquartett in f-Moll, das Mendelssohn in seinem Todesjahr komponierte und in dem der Tod der geliebten Schwester Fanny als Requiem verarbeitet wird, zeigt sich nochmals der nach Wien orientierte Romantiker.

Larmoyant klagend, jedoch mit gebändigter Emotionalität - anders als bei den Romantikern um Liszt - kommen Trauer und starke Erregung über das Unvermeidliche in düsteren Klängen im thematischen Moll. Dabei werden die nur zögerlich aufblühenden hellen Motive recht deutlich weggespült. Ostinate Bassfiguren geben dem synkopierten, nachdenklichen Violinthema eine zusätzliche, erschreckende Starre, die auch in verhaltenen Einschnitten immer wieder den Klagefluss anhält, ohne ihn jedoch so recht aufzulösen. Fazit: Ein äußerst beeindruckender Vortrag, der dem Quartett viel Beifall bescherte.

nach Joachim Dürig: "Konzertnachmittag mit romantischen Klängen", in: "Goslarsche Zeitung" , 25.02.2014, S. 23.

 

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