Frech-fröhliches Konzert zum Nachdenken

Das Trio Liederjan gastiert auf Einladung der Kulturgemeinschaft im Vienenburger Kaisersaal und lockt wieder viele Fans

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Liederjan und gute Laune: Philip Omlur, Jörg Ermisch und Hanne Balzer im Vienenburger Kaisersaal.

Kultig-frech, nicht auf den Mund gefallen, hier und da nachdenklich - und für ihre Konzertbesucher zu 100 Prozent eine Freude – so sind Liederjahn. Das munterere Trio gastierte am „frühabendlichen“ Sonntagnachmittag auf Einladung der Kulturgemeinschaft im Kaisersaal und schaffte es trotz „Kaiserwetters“ und zahllosen Veranstaltungen in der Region den Konzertsaal nahezu bis auf den letzten Platz zu füllen.

Schon der furiose Einzug der drei „Liederjaner“ sorgte für musikalische Furore – und das Publikum wurde über den Abend nicht enttäuscht. Obwohl sicherlich die meisten Konzertbesucher die norddeutsche Folkgruppe kannten, gab es auch da eine Veränderung, als Philip Omlor im vergangenen Jahr zu „den Alten“ Hanne Balzer und Jörg Ermisch stieß.

Freilich „keiner aus Norddeutschland!“, aber auch das wäre nur eine Frage der geografischen Betrachtung, rückte Jörg Ermisch die Landkarte zugunsten Omlors und seiner Heimatstadt Dortmund zurecht. Selber ein Gründungsmitglied von Liederjan, hält Ermisch bei Chansons, Kabarett und Comedy der Kultband seit 41 Jahren die Treue. Dritte im musikalischen Bunde ist Hanne Balzer als „Quoten-Frau im Ensemble“, die seit vielen Jahren die Tuba an der Backe hat… „Ich korrigiere…an der Lippe“ verbesserte Balzer die vorstellenden Worte ihrer männlichen Bühnenbegleiter. Und mit der Tuba an den Lippen verzauberte sie auf munterer Art. „Ich habe früher mal Cello gespielt - aber zur Freude meiner Umwelt wieder aufgehört…“ erinnerte Jörg Ermisch schmunzelnd.

40 Jahre auf den Bühnen unterwegs – nahm das Liederjan-Konzert auch in Vienenburg schnell an Fahrt auf: Mit einem Lied aus dem Wilhelm-Busch-Programm, „Der Fink und der Frosch“, nach der Melodie der Vogelhochzeit, war auch schnell das Publikum mit einem vielstimmig zwitschernden „Fiederallala“-Refrain eingebunden. Aber die drei Liederjaner könne auch nachdenklich-ernsthaft sein: „Der kleine Frieden“ führte an die Front des Ersten Weltkriegs, zu jenem magischen Moment, als die verfeindeten Soldaten gemeinsam ihr Weihnachtsfeist feierten. Nachdenklich schon, aber nicht lange traurig, ging es schon sportlich im Yoga-Feeling auf der Bühne weiter – und auch irisch-stürmisch-küstenmäßig-rau mit „Der Sturm“ nach dem Original „Ready fort he Sturm“ von Dougie McLean. Der kleine Aufsatz „Das Gehirn“ oder der Song vom „Gaul mit dem Holzbein“ amüsierten noch vor der Pause.

Aber eine Tatsache konnte selbst der redegewandte Jörg Ermisch nicht erklären: Vor Jahren schreib er ein irischen irische Folk-Stück mit dem banalen „Bauer-sucht-Frau“-Inhalt um und nannte es „Dagmar“. „Wir hatten seither nie wieder eine Dagmar im Publikum…Bei keinem Konzert“, erklärte er und lachte. Und auch am frühabendlichen Sonntagnachmittag im Vienenburger Kaisersaal gab sich keine Dagmar zu erkennen…

nach Andrea Leifeld: "Frech-fröhliches Konzert zum Nachdenken", in: "Goslarsche Zeitung" ,01. Oktober 2016, S. 19

Foto: Leifeld