Rückblick

Mäuse fliegen zur Musik ins Publikum

Trio "Liederjan" bietet im Kaisersaal Parodie auf den Fußball und eine Punkversion vom Freischütz

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Mit etwa 70 Gästen war das zweistündige Konzert in dem alten Bahnhof trotz vieler attraktiver Parallelveranstaltungen sehr gut besucht.

„Horch, was kommt von draußen rein“ ertönte lautstark von dem Trio, als es in den Saal einmarschierte. 1975 gründete Jörg Ermisch die Gruppe. Seitdem wechselte die Besetzung. Seit zehn Jahren ist Hanne Balzer dabei, seit vier Jahren Michael Lempelius. Das Hamburger Trio macht viel selbst, nimmt sich aber auch schöner Melodien an oder parodiert gnadenlos durch die Welten von Gesang, Werbung, Dichtung und Poesie.

Mit viel Witz und Charme moderierten die Drei den gelungenen Abend und bezogen das Publikum immer wieder ein. War das „Lied vom Lumpensammler“ noch von den Instrumenten überlagert, passte sich Liederjan sofort an, sodass fortan alle Texte bis in die letzte Reihe gut zu verstehen waren. Bei der Pleitepolka waren die Gäste zum Mitsingen aufgefordert. Um eine Überforderung zu vermeiden, beschränkte sich der Text zunächst auf ein „Uh“. Damit das dann aber auch ausdrucksstark rüberkam, war eine entsprechende Armbewegung wie beim Ziehen alter Toilettenspülungen angesagt.

Mit einer Punkversion von „Der Freischütz“ hatte sich das Trio auch ein Wilhelm-Busch-Programm erwerkelt. Mehrsprachig, auch chinesisch mit Simultanübersetzung, wurden „Max und Moritz“ vorgetragen, die als Holzfiguren das Finale mit „Lord of the Dance“ beendeten.

Eine grandiose Parodie auf den Fußball bot „Mir tut das Bein weh“ zur Melodie von „I did it my way“. „Stimmungsvoll“ wurde der Abend immer mal wieder, wenn Lempelius eines seiner diversen Saiteninstrumente stimmte. Mit Dutzenden weiterer Instrumente von verschiedenen Flöten über Tuba und Singender Säge bis zum Harmonium bewiesen alle Musiker das Beherrschen ihres Genres.

Bei dem zur Melodie von der Vogelhochzeit vertonten Gedichtes von Fink und Frosch glaubte man förmlich das Gezwitscher und Ochsenfroschgequake herauszuhören. Bei einem Werbelied über Schädlingsvertilgungsmittel flogen auch schon mal Spielzeugmäuse ins Publikum. Liederjan zeigte eindrucksvoll, dass mit einfachen Bordmitteln ohne Technik passende Geräusche vertont werden können. Bei dem „Lohn einer guten Tat“ durfte eine Freiwillige aus dem Publikum die Bebilderung von Wilhelm Busch übernehmen.

Die zwei Instrumentalstücke „Majas Kuskus-Kuss“ und „Sieben-Ziegen-Sprung“ wurden mangels Einigung auf einen Drei- oder Viervierteltakt kurzerhand auf einen Siebenachtel-Takt addiert.

nach Susanne Fricke, in: Goslarsche Zeitung, 27. August 2013, S. 26 - Foto: Susanne Fricke

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