Angefüllt mit Emotionen

Musikalische Lesung über John Lennon

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Eine musikalische Lesung mit Emotionsstärke: Achim Amme, Schauspieler, Autor und Musiker aus Hamburg und am Sonntag Leser, sowie Volkwin Müller, Singer-Songwriter aus Detmold und am Sonntag Sänger und Gitarrist, haben das im Kaisersaal geboten. Foto: Potthast

Extrakte aus dem Leben John Lennons und seiner Frau Yoko Ono. Eines, das mit Emotionen nur so angefüllt gewesen sein muss. So ist es zumindest dem Buch „John Lennon. Die Biographie“ von Philip Norman zu entnehmen. Aus dem las am Sonntagabend Achim Amme Passagen, spielte Musikstücke vom Band ab, sang mit Singer-Songwriter Volkwin Müller – der auch solo dran war. Eine musikalische Lesung wurde es, zu der die Kulturgemeinschaft Vienenburg in den Kaisersaal gebeten hatte. Viel Applaus zwischendurch und am Ende war die Reaktion der Gäste.

Im Dakota-Haus

In die neun Jahre bis zum Attentat und in die Zeit danach lässt Achim Amme das Publikum am Sonntagabend blicken. Er beginnt im Jahr 1971. Lennons ziehen nach New York ins Dakota-Apartmenthaus. Es ist das Gebäude, in dem Roman Polanskis Film „Rosemary’s Baby“ gedreht worden war. Es ist das Gebäude, das John für 14 Monate verlässt, um mit einer 22-Jährigen in Los Angeles zu leben. Yoko Ono hatte ihm angeboten, andere Sexualpartner zu haben. Es ist das Gebäude, in das er zurück möchte, in dem nach seiner Rückkehr Sohn Sean gezeugt wird. Es ist das Gebäude, in dem John wegen Sean zum Hausmann wird, während Yoko Ono zur Geschäftsfrau wird. Und es ist das Gebäude, vor dem John am 8. Dezember 1980 durch Mark David Chapman ermordet wird.

Zitate von Yoko Ono, von John kommen vor, später von Sean. Schauspieler Achim Amme trägt sie so weiter, dass der Zuhörer meinen könnte, selbst Gesprächs-Teilnehmer zu sein. Musiker Volkwin Müller bietet die Stücke mit einer Gefühlsstärke, wie sie dem Erzählten zu entnehmen ist, wie sie Texteschreiber John Lennon gemeint haben muss. Die große Liebe zwischen Yoko Ono und John wird am Sonntag in Worten und in Melodien transportiert. „Real love“ singt Volkwin Müller, begleitet sich wie bei allen anderen Live-Stücken auf der Gitarre. Nicht alle Lieder kommen von ihm, Achim Amme bedient sich auch der Konserve, spielt die zum Geschriebenen ausgewählten Stücke an und bricht sie ab. Das war angekündigt, das passt für ihn zum jäh abgebrochenen Leben John Lennons.

„Give Peace a Chance“

Emotionsstark ist der Sonntagabend im Kaisersaal: Es geht ja um die Liebe der Lennons. Volkwin Müller singt „Oh my love“. Es geht um die große Zuneigung Johns zu seinem Sohn Sean – „fuck and great“ soll er geschrien haben nach dessen Geburt. Achim Amme spielt das „Beautiful Boy“ ein. Es geht um das Verhältnis Johns zu seinen Eltern – Tante Mimi zog ihn auf, weil Vater und Mutter anderweitig beschäftigt waren. „Mother“ läuft. Es geht um Seans Sicht der Dinge. Für den Fünfjährigen ist es eine merkwürdige Atmosphäre nach dem Tod des Vaters. Er fühlt sich allein. Die Fans singen vorm Haus, was er erst Jahre später schön finden kann. Am Sonntag gibt es dazu das fast Tränen treibende „Give Peace a Chance“.

„Strawberry Fields“ gestalten die Künstler Amme und Müller gemeinsam, das „Come together“ und „Help“ auch – und „All you need is Love“. Für den Solo-Part „Imagine“ verdient sich Volkwin Müller ein „sehr gut“ aus dem Publikum, beide vor und nach ihren Zugaben reichlich Applaus. Und an ihrem CD-Stand bekommen sie noch mit auf den Weg, dass es sehr schön gewesen sei, dass sie weiter empfohlen würden. Ach: Ein Zusatz-Programm haben die Gäste ebenfalls. Sie sehen den Künstlern beim Bühnenaufbau und hören ihnen beim Soundcheck zu. Sie sind zu spät in Vienenburg aufgelaufen. Ein Missverständnis ist der Grund für ihr Zuspätkommen. Sie hatten zunächst den Kaisersaal in der Goslarer Kaiserpfalz angesteuert…

nach Angela Potthast: "Angefüllt mit Emotionen", in: "Goslarsche Zeitung" , 01. Februar 2017, S. 18